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Große Geste auf halb vier

2005, Ein sich selbst generierender Film, Institut für Mediengestaltung, Mainz
(Fotos: Thomas Vollmar)

Grosse Geste auf halb vier Foto Thomas Vollmar
Große Geste auf halb vier

»Grundvoraussetzung für dieses Projekt war es, ästhetische Richtlinien des filmischen Erzählens so zu systematisieren, dass ein Computerprogramm die Generierung des Films komplett übernehmen kann.«

(Tjark Ihmels, 2005)

Zentraler Handlungsraum des Experimentalfilms ist ein Hotel, in dem sich insgesamt 12 Personen aufhalten (die alte Dame, die Anarchistin, der Ästhet, die Bewußte, der Barocke, der Cocoonist, die Kulturtante, der Moralist, der ohne-Zweifel, die Schicksal-Zufall, die Bardame und die singende Dame). Alle Personen gehen im Hotel ihren Tätigkeiten nach, begegnen sich und sprechen miteinander - oder eben nicht

Der Film wird aus einer Datenbank bestehend aus 12.000 kleinen Filmsequenzen gespeist (ca. 30 Stunden Material). Die Sequenzen sind sehr kurz. Jede Sequenz ist nur eine Einstellung. Beispielsweise: »die alte Dame betritt die Bar« oder »die Anarchistin trifft auf eine weitere Person«.

Generiert wird der Film durch mehrere aufeinander abgestimmte Generatoren. Diese übernehmen sowohl die Entwicklung der Handlung als auch die ästhetischen Grundentscheidungen. Beispielsweise werden folgende Entscheidungen getroffen: Wird die Kamera im »Schuss-Gegenschuss-Verfahren« eingesetzt oder kommt eine »Overshoulder-Einstellung« zum Einsatz, wird die Szene durch eine Hintergrundmusik dramaturgisch aufgeladen oder wird sich ausschließlich auf den atmosphärischen Raumton beschränkt. Die Grundsteuerung übernimmt ein Hauptgenerator. Er entscheidet, ob es zu einer Begegnung von zwei bestimmten Figuren an einem festgelegten Ort kommt. Wenn ja, entscheidet er, ob die beiden Figuren in einen Dialog miteinander eintreten. Wenn dies der Fall ist, wird an einen Dialog-Generator übergeben. Dieser entscheidet, wie lang das Gespräch dauern soll und was genau gesprochen wird. Ton- und Bildspur werden unabhängig voneinander synchron abgespielt, so dass der Generator entscheiden kann, welche Kameraeinstellung gewählt werden soll. Er entscheidet, ob parallel weitere Filmsequenzen (eine dritte Person betritt den Raum) in das Gespräch eingeblendet werden sollen. Der Dialog-Generator meldet des weiteren an den Ton-Generator, wann gesprochener Text abläuft, so dass eventuelle Hintergrundmusik im Soundvolumen abgeregelt werden kann. Nach Ablauf des Dialogs übergibt der Dialog-Generator an den Hauptgenerator. Dieser entscheidet nun weiterhin, ob eine Einzelaktion, ein Mood etc., in der Handlung folgen soll und gibt dann an den entsprechenden Generator ab.

Im Einzelnen arbeiten im Hintergrund: Hauptgenerator / Dialog-Generator / Sound-Generator / Aktions-Generator / Mood-Generator und Kamera-Generator.

Nach zwei Jahren Entwicklungszeit ging der Film 2005 unter der URL: halbvier.de online. Da mehrere Computersysteme miteinander kooperieren mussten, lief das ganze nicht immer reibungslos, aber dennoch stabil. Der Film lief bis ca. 2009 ununterbrochen online, bevor technische und sicherheitsrelevante Anforderungen einen Weiterbetrieb unmöglich machten…

Technik: Generativer Experimentalfilm

Spielzeit: 2005 - 2009

AutorenInnen: Tjark Ihmels, Julia Riedel

Programmierung: Tom Klingenberg

Produktion: Tidi von Tiedemann

SchauspielerInnen: Die alte Dame: Monika Dortsche, Die Anarchistin: Inka Schmietendorf, Der Ästhet: Henry Meyer, Die Bewußte: Christina Hecke, Der Barocke: Stephan Bieker, Der Cocoonist: Mark Himmelmann Die Kulturtante: Birgit Heinrich, Der Moralist: Michael Günther, Der ohne-Zweifel: Aurel Crisfulli, Die Schicksal-Zufall: Anne Werner, Die singende Dame: Ivanca Pitrek, Die Bardame: Bianca Kestler

Beteiligte: Katja Federkiel, Daniel Seideneder, Harald Capota, Arne Ahrens, Nils Keber, Steffen Röthinger, Saskia Wagner, Cordula Stahl, Christian Schleisiek, Jennifer Rohrbacher, Nina Werth, Tan Kuali, Patrick Märker, Johannes von Hesler, Jean Marc Junge, Uwe Winter, Gabriela Mizerska, Marco Fois, Jaschka Hekmati, Gianni Fois, Claudia Gaida, Petra Heuser, Robert Schröter, Stephan Eichhorn und Greg Bond

Gesamtleitung: Tjark Ihmels

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